Drei Gäste erzählen: die Zukunft Kamp-Lintforts wird seit 1123 bis weit über die LaGa 2020 hinaus immer wieder neu gestaltet

Herr Kaenders erzählt aus der Geschichte der Zeche

Von neuen Abenteuern aus der Zukunft und Vergangenheit Kamp-Lintforts seit dem Jahr 1123 berichteten drei Gäste den Schülerinnen und Schülern des Literatur-Kurses des 12. Jahrgangs: Drei Fachmänner, die spannend über die Zukunft und die Vergangenheit der Stadt zu informieren wussten.

Es ging um Fragen wie: Wer hat das kostbare Kreuz aus dem Kloster Kamp entwendet? Wie kommt man unbemerkt an eine unbezahlte Lastwagenfuhre sehr brauchbarer Steinkohle in einem kalten Winter? Welche üblichen Verdächtigen beginnen wohl mit dem Aufkauf von Grundstücken rund um den bald boomenden „Central-Park“ an der „Altsiedlung“ in Kamp-Lintfort zu spekulieren? Denn die drei Besuche zwischen dem sechsten und 23. Januar 2018 dienten der Vorbereitung der nächsten Theater-Aufführung des Literaturkurses am Freitag, den 22. Juni 2018 in der Stadthalle Kamp-Lintfort. Die Schülerinnen und Schülern planen einen Krimi im Western-Stil, der sich rund um die Eroberungen rund um Kloster Kamp, der Zechen- und Stadtgründung, dem aktuellen Stadtumbau sowie der Landesgartenschau 2020 dreht.

Krimi: Wir brauchen eine Leiche!

Aber für einen Theater-Krimi braucht man eine Leiche! Für mögliche Mord-Motive gaben die Gäste, Herr Dr. Hahnen, Herr Kaenders und Herr Gogol, dem Kurs eine Menge Impulse. Wo könnte man am besten und unbemerkt den störenden Leichnam eines Mordopfers loswerden? Die Antworten lauteten etwa: Im Jahr 1123 im Sumpf rund um Kloster Kamp, seit 1906 am besten bis zu 1000 Meter tief unter der Erde in einem „zufällig“ zusammenstürzenden Bergwerksstollen, aktuell im geplanten „Sicherungsbauwerk“, also einem über hunderte Meter langen, neun Meter hohen Hügel auf dem Landesgartenschau-Gelände der alten Zeche.

Die Schüler des Literaturkurses wollen das neue Kamp-Lintfort aus der Perspektive des „Wilden Westens“ bzw. im Stil von Western-Filmen zeigen: Die Stadtbewohner, die Stadtverwaltung, die Investoren usw. wollen jeweils ein großes Stück Ertrag oder auch ein Stück Land der LAGA 2020 „erbeuten“. Die Szenen sollen sich um einen fiktiven Mord am Anfang des Stückes drehen, wobei wie bei einem Krimi im Rahmen der Aufklärung des Mordes eine Menge über die Geschichte Kamp-Lintforts erzählt werden soll.

Die Besiedlungsgeschichte von Kamp-Lintfort in drei Phasen

Die szenische Theater-Collage zum Thema Strukturwandel wird also einen Mordfall rund um das Thema der Besiedlungsgeschichte von Kamp-Lintfort erzählen: Die erste Besiedlungsphase erfolgte im Mittelalter mit Gründung von Kloster Kamp, das die Mönche, seit dem Jahr 1123 hier ansässig, auf sumpfigem Land errichteten. Die Umgebung wurde landwirtschaftlich nutzbar gemacht und die Menschen am Niederrhein wurden durch Bildung (Lesen und Schreiben) kultiviert.

 

Ein paar Jahrhunderte später, 1906, wurde die Zeche gegründet. Die vorher vorrangig agrarisch orientierte Landschaft wurde nun im Rahmen der Industrialisierung erschlossen. Mit dem Bergbau wurde auch die bis heute die Stadt prägende Zechensiedlung angelegt.

Nun im Jahr 2018 sind wir in der nächsten, aktuellen Phase: Nach der Zechenschließung befinden wir uns in der Phase des Strukturwandels, der De-Industrialisierung bzw. der Postmoderne: Jetzt kommt die Landesgartenschau 2020 nach Kamp-Lintfort! Die Stadt profiliert sich im Dienstleistungssektor und Tourismus, die Geschichte der Stadt, Bildung und Kultur spielen verstärkt eine Rolle, um die Stadtentwicklung voranzutreiben.

Männer mit Idealen: Die reformwilligen Zisterzienser

 

Herr Dr. Hahnen erzählt aus der Geschichte des Kloster Kamp

Herr Dr. Hahnen ist Leiter des geistlichen und kulturellen Zentrums Kloster Kamp (siehe https://www.kloster-kamp.eu/zentrum/verein/51-geistliches-und-kulturelles-zentrum-kloster-kamp-e-v). Am neuten Januar 2018 hat er dem Theaterkurs von der Geschichte des Klosters berichtet. Dazu hat er extra eine wunderschöne Lammwolle-Kutte mitgebracht. In seinen Augen haben die ehemals so reformwilligen Zisterzienser in Kloster Kamp irgendwann Verrat an den eigenen Idealen betrieben. Aber immerhin haben sie uns dafür in Kamp-Lintfort die Klosterkirche und den Barockgarten geschenkt, auch wenn die Klostertürme und Brunnenanlagen nicht mehr allzu sehr dem Leitbild eines Lebens entspricht, das allein dem Gebet, der Lesung und der Arbeit gewidmet sein sollte.

Die Industrialisierung des linken Niederrheins: „Glück auf!“

 

Herr Kaenders erzählt aus der Geschichte der Zeche in Kamp-Lintfort

Herr Kaenders kümmert sich leidenschaftlich um das Museum „Haus des Bergmanns“ (siehe www.bergmannstradition.de/museum-haus-des-bergmanns/) und dem Verein „Fördergemeinschaft für Bergmannstradition linker Niederrhein e. V.“ (siehewww.bergmannstradition.de): „Zu den Aufgaben gehören, alles was mit dem Bergbau und der Bergmannstradition am linken Niederrhein im Zusammenhang steht, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.“ So definiert sich der Verein selbst. Herr Kaenders sorgt in diesem Sinne dafür, dass die Erinnerung, die Geschichten und Traditionen rund um die Zeche Friedrich Heinrich nicht in Vergessenheit geraten. Am 16. Januar betonte er wieder: Nichts hat Kamp-Lintfort so geprägt wie die Steinkohle! Von Herrn Kaenders kann man erfahren, wer eigentlich Friedrich Heinrich war, wie die drei Diergardt-Brüder für Kamp-Lintfort eine wichtige Rolle spielten, wobei sie aber in der Männergesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts die eigene Schwester einfach völlig übergangen haben, und wie eine Probebohrung von Franz Haniel im Jahr 1854 der verspätet zündende Startschuss für die industrielle Revolution am linken Niederrhein war.

 

Stadtumbau: Planer mit Ausdauer

Bei Gründung und Schließung der Zeche Ende 2012 setzte am 23. Januar Herr Gogol vom Planungsamt der Stadt Kamp-Lintfort an (www.kamp-lintfort.de/de/planung/stadtplanung/). Im Planungsamt arbeiten sieben engagierte Menschen, die dafür kämpfen, dass sich die Stadt im rasenden Tempo in Richtung Zukunft verändert. Der Stadtumbau wird hier wie im Lehrbuch, nur viel schneller als im restlichen Ruhrgebiet betrieben. Noch nie ist ein aufgegebenes Zechengelände so schnell saniert worden wie in Kamp-Lintfort, berichtet man etwa bei der Ruhrkohle AG. „Hier will eine Stadt von unter Tage nach oben – und zwar ganz wacker.“ (So die NRZ vom 22.1.2018)

 Herr Gogol berichtet vom Stadtumbau Kamp-Lintfort und den Planungen zur Landesgartenschau 2020

Herr Gogol ist ein Mann mit Ausdauer: Zum Beispiel hat es allein zehn Jahre gedauert, die „Weißen Riesen“ abzureißen. Und das Herzensprojekt von Herrn Gogol: Er will es schaffen, eine Zugverbindung, die die Stadt in 28 Minuten mit Duisburg verbinden wird, zu bauen. Wir sind uns sicher, das wird klappen! Außerdem berichtete er vom spektakulären Bunker-Fund beim Bau des neuen Kinos, er erzählte, dass die drei „Weißen Riesen“ noch in Kamp-Lintfort seien, allerdings in Form von Schutt in der ehemaligen Tiefgarage unter dem heutigen EK3, oder dass der Pappelsee nur ausgehoben worden sei, um mit der so gewonnenen Erde aus sumpfigen Gelände solides Bauland für die Zeche aufschütten zu können. Aber vor allem berichtete er vom Umbau des Rathausquartiers und den Arbeiten rund um die Landesgartenschau 2020.

Premiere: Abenteuer im wilden Westen Lintforts

Jetzt ist die Gruppe des Literaturkurses selbst gespannt, wie sich das Theaterstück bis zur Aufführung am Freitag, den 22. Juni 2018 entwickeln wird. Bei ersten Improvisationen gab es schon viele Ideen: Der Bürgermeister wird ermordet, weil er sich nicht für aktuelle Trendsportarten einsetzen will. Oder das Kreuz von Kloster Kamp wird geklaut, um einen teuren Thermomixer zu finanzieren, wobei leider noch aus Raub Todschlag wird. Oder ein Auftragskiller erledigt Investoren, um alte Macht- und Monopol-Strukturen zu bewahren. Oder die geplante Überbauung alter Kloster-Fundamente führt zu Protesten und anschließend werden renitente Grundstücksbesitzer beseitigt ...

Wir danken ganz herzlich den Gästen Dr. Hahnen, Herrn Kaenders und Herrn Gogol und sind gespannt auf die Theaterpremiere am 22. Juni in der Stadthalle.